Boston, wie es begann
Es ist Freitag abend, ich bin - trotz geringer Auslastung - müde von der ersten Arbeitswoche und kenne hier sowieso noch niemanden, mit dem ich jetzt was machen könnte. Also hab ich mich selbst mit einem Burger bei Wendy's, zwei Büchern von Borders und einem Sixpack Bier vom Alk-Laden nebenan belohnt und beschlossen, endlich unter die Blogger zu gehen - jetzt wo mein Leben doch so aufregend ist... Aber fangen wir doch einfach von vorne an:
Vor einer Woche um diese Zeit (die Zeitverschiebung tut hier nichts zur Sache) hab ich auch gerade Bier getrunken, allerdings in Gesellschaft. Eine in meinen Augen sehr gelungene Geburtstags-/Abschieds-Party, die ich Zug-bedingt viel zu früh verlassen musste und die meine Schlafzeit auf knappe 2 Stunden reduzierte. Am nächsten Morgen war mir dann auch recht mulmig zu Mute, was ich jedoch kaum auf den Alkohol, sondern vielmehr auf die bevorstehende Abreise schieben würde. Nach wenig Aufbruch-Stress, zu viel Flughafen-Frühstück und einem emotionalen Family-Abschied saß ich im Flugzeug - fast. Denn Kabel en masse in meinem Rucksack (Laptop-Strom, Webcam, Headset, Handy-Ladekabel, Navi-Kabel, usw...) erregten das Aufsehen der Flughafen-Sicherheit und ich durfte unauffällig in einen Nebenraum folgen. Alles einmal auspacken und wieder zurück - oh Wunder, nichts verdächtiges drin... In Frankfurt noch einmal der gleiche Spaß, allerdings diesmal inklusive Sprengstoff-Kontrolle.
Endlich im Übersee-Flugzeug sitzend, kam mir die Kürze der Nacht dann doch noch zu Gute: Ich habe fast den ganzen Flug über geschlafen und bin nur zu den Mahlzeiten munter geworden (Die erste Mahlzeit gab es erst 2 Stunden nach Abflug! Das Knurren meines Magens hat das halbe Flugzeug in Angstzustände versetzt...), so dass ich schon relativ schnell da war: in Boston! Die letzte Hürde vor 3,5 Monaten USA stellte der Einreise-Beamte dar. Sein Genuschel, welches wohl Unentschlossene zur sofortigen Umkehr zwingen soll, ließ mich stark an meinen Englisch-Kenntnissen zweifeln. Doch ich blieb standhaft - und kam im Endeffekt lächelnd und nickend durch.
Nach dieser bestandenen Prüfung dachte ich, das Gröbste hinter mir zu haben. Falsch gedacht. Ich wusste, dass mich mein Weg zur Hertz-Station führen würde, doch ich wusste nicht, wie ich diesen Weg finden sollte. Naiv dachte ich, dass so etwas ausgeschildert sein müsste und fand nach einigem orientierungslosen Auf- und Ab-Gelaufe auch den ersehnten gelben Schriftzug. Jedoch prangte der nur auf einem Telefon neben etwa 10 weiteren Autovermietungen, mit denen man sich verbinden lassen konnte. Wahrscheinlich um Energie zu sparen, ohne dabei jedoch die akustischen Umstände eines Flughafens zu berücksichtigen, war die Lautstärke dieses Telefons auf ein gerade noch hörbares Minimum heruntergeregelt. Zu wenig, um die sowieso nicht ortskundige Dame am anderen Ende der Leitung zu verstehen. "Öffentlicher Parkplatz, Ebene 1"? Der Parkplatz vor der Tür besaß keine Ebenen. Also einem anderen "P" auf einem mehrere hundert Meter langen Pfad ans andere Ende des Geländes gefolgt, samt 2 Koffern und Handgepäck. Dort gab es zwar Ebenen, aber auf jeden Fall keine Autovermietungen. Ein auskunftsfreudiger, signalgelb-gekleideter Mann gab mir den entscheidenen Tipp, den gesamten Weg wieder zurück zu laufen und dann vor dem Flughafen-Gebäude auf einen gelben Bus zu warten. Und tatsächlich, ein Hertz-Bus brachte mich, mittlerweile komplett durchgeschwitzt und nicht willens, noch einen Meter zu laufen, zur etwa 4 Auto-Minuten entfernten Hertz-Station. Welch ein Glücksgefühl! Doch dann noch so ein Nuschel-Amerikaner an der Hertz-Theke... Egal, ich hab mein Auto bekommen und das Navi funktionierte sogar auch.
Doch dann sollte auch schon der nächste Schock kommen: Auto-Fahren in Boston. Dazu nur soviel, ich hab mich - mit Navi! - dreimal verfahren (die Straßen- und Spur-Führung muss von betrunkenen Irren auf einem Koks-Trip in einer Vollmond-Nacht entworfen worden sein) und hätte das Auto wohl nach 5 Minuten abgestellt, wenn es eine Abstell-Möglichkeit gegeben hätte. Also hab ich mir das nächste Parkhaus gesucht, bei Tages-Park-Preisen von $40 kurz geschluckt und das Auto für 24h seinem Schicksal überlassen.
Wenigstens die Schlüsselübergabe für meine Anfangsunterkunft hat problemlos geklappt und die Vermieterin hat durch ihre Aussprache mein Vertrauen in meine Englisch-Kenntnisse wiederbelebt. Also das Zimmer schnell bezogen, die Skype-Verbindung nach Hause ausgetestet und noch ein wenig die Gegend erkundet. Und dann ab ins Bett... Am nächsten Tag hab ich dann auch nicht viel mehr gemacht als mein Auto von der Innenstadt zur Endstation der Red Line der U-Bahn zu fahren, wo ich es für immerhin nur $5 pro Tag parken kann. Aber das soll ja eh nur die ersten 3 Wochen so gehen und dann will ich nach Cambridge umziehen... Generell sprechen die Bilder wohl am besten für die ersten beiden Tage.
Von meinen ersten Arbeitstagen und weiteren Kuriositäten berichte ich dann beim nächsten Mal...
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